Die Installation des „Judenältesten“ in einem Konzentrationslager war sicher ein kluger Schachzug der Nazis. Ihn konnte man leicht verantwortlich machen für alle widrigen Folgen, die sich aus der Regulierung des Lagerlebens ergaben. Die meisten von ihnen wurden auch nach dem Kriege strafrechtlich verfolgt und verurteilt.

Ganz anders verhielt es sich mit Joseph („Jupp“) Weiss. 1893 als achtes von neun Kindern in Flamersheim geboren wurde er Buchhalter und arbeitete zunächst in einem Kölner Kaufhaus. Schon 1933 floh er vor der beginnenden Judenverfolgung in die Niederlande. Hier kam er 1942 in das „Judendurchgangslager“ Westerbrok, von wo aus die Deportationen nach Auschwitz und nach Bergen-Belsen stattfanden. 1944 kam er nach Bergen-Belsen, wo er – als letzter vor der Auflösung des Lagers – zum Judenältesten gewählt wurde. Nach der Übernahme des Lagers durch die Briten wurde er erneut in diese Funktion gewählt – was seine herausgehobene Stellung im Kreise der Lagerinsassen unterstreicht.

In dieser Zeit fielen ihm schwerpunktmäßig Aufgaben der Lagerverwaltung zu, die er quasi in der Rolle eines „Bürgermeisters“ souverän meisterte. Dies dokumentiert u.a. der Brief an das Rote Kreuz.

Josph Weiss starb am 12. September 1976 in Jerusalem, wo er auch beerdigt ist.

In seiner Vaterstadt Flamersheim wurde eine Straße nach ihm benannt.

Hans Dieter Arntz hat in dem Buch „Der letzte Judenälteste von Bergen-Belsen, Josef Weiss – würdig in einer unwürdigen Umgebung“ (Helios Verlag, Aachen) das Leben des Josef Weiss beschrieben.

Brief an das Rote Kreuz
Josef "Jupp" Weiss (1947)
Geburtshaus
Grabstein
Straßenschild