Begrüßung
Begrüßung durch unsere Führerin

Wir hatten uns viel vorgenommen: Insgesamt 2800 Grabstellen, viele davon mit wohlbekannten Namen versehen, verlangten eine Konzentration auf das Wesentliche. Unter der sachkundigen Führung von Frau Erika Zander, die als Kunsthistorikerin am Haus de Geschichte arbeitet, gelang das recht gut.

1715 war der Friedhof angelegt worden für Soldaten, Arme und Fremde, für die auf den innerstädtischen Kirchhöfen kein Platz war. Viele Fremde kamen mit der Gründung der Friedrich-Wilhelm-Universität 1818 nach Bonn; sie prägten im Laufe der Zeit mehr und mehr das Erscheinungsbild der städtischen Bevölkerung und dann auch das des Friedhofs.

Joseph Rehfues, der als Kurator wesentlich Anteil am Aufbau der neugegründeten Friedrich-Wilhelm-Universität hatte, fand hier seine letzte Ruhestätte ebenso wie der eitle August Wilhelm Schlegel (Inhaber des ersten Lehrstuhls für Indologie), der Psychiater Christian Friedrich Nasse, der Geologe Jacob Nöggerath (der sich auch schon mal mit den Erzfunden aus dem Rheinbacher Stadtwald beschäftigte), Beethovens Geigenlehrer Philipp Franz Anton Ries und Beethovens Mutter Maria Magdalena (deren Grab heute von Bewohnern des nebenan gelegenen Prälat-Schleich-Hauses gepflegt wird), Robert und Clara Schumann,

Ernst Moritz Arndt und aus jüngerer Zeit Mildred Scheel, die Gattin des ehem. Bundespräsidenten, der als Ehrenbürger ein Anrecht auf eine Bestattung auf dem ansonsten geschlossenen Friedhof hatte. Übrigens: als „Normalbürger“ kann man dieses Anrecht auch dadurch erwerben, dass man die Patenschaft über die Restaurierung und Pflege eines der alten Gräber übernimmt.

Zum Abschluss gab es noch einen Blick in die Friedhofskapelle, deren Bausubstanz aus der Zeit um 1230 stammt – damals stand die Georgskapelle in der Kommende Ramersdorf. Baufällig sollte sie dort 1844 abgerissen werden und konnte mit Unterstützung des preußischen Königs bis 1850 an ihren jetzigen Standort verlagert werden.

Für uns war nach diesem Rundgang die Mittagspause im Restaurant Sudhaus dringend geboten. Danach gab es noch zwei „Zugaben“:

Etwas versteckt und nur für Kenner zu finden: die Helenenkapelle, eine kleine Hauskapelle aus dem 12. Jahrhundert im ersten Stock eines Hauses an der Straße „Am Hof“, die ein wenig daran erinnert, wie die Kapelle im Torhaus der Rheinbacher Burg vielleicht einmal ausgesehen haben mag.

Ebenfalls versteckt im Gebäude der Friedrich-Wilhelm-Universität: das Universitätsmuseum, in dem die Geschichte des Hauses, ihrer Institute und Zeitzeugnisse vorgestellt werden (darunter natürlich auch das Karzerbuch mit dem Eintrag über den Insassen Karl Marx).

Grabmal von Ernst Moritz Arndt unter einer uralten Eiche
Grabmal von Ernst Moritz Arndt unter einer uralten Eiche
Grabmal der Mutter Beethovens
Grabmal der Mutter Beethovens