Dietmar Perz
Dietmar Perz

Stadtarchivar Dietmar Pertz beschäftigte sich in seinem Vortrag mit dem Kreis Rheinbach, der von 1816 bis 1932 existierte, sowie den Auswirkungen auf Rheinbach daraus, dass die Stadt in dieser Zeit Kreisstadt war. Der Kreis bestand aus den fünf Bürgermeistereien Adendorf, Rheinbach, Ollheim, Kuchenheim und Münstereifel. Zum ersten Landrat wurde vom preußischen König Friedrich Joseph Jordans bestellt. Er wohnte auf Schloss Morenhoven, das er 1803 erworben hatte und residierte dort auch als Landrat. Sein Nachfolger war Freiherr Carl von Imhoff, der 1827 die erste Kreisordnung in Kraft setzte. Mit ihr wurde mit dem Kreistag ein neues Organ eingeführt. Der Kreistag sollte den Landrat bei den anfallenden Aufgaben unterstützen. Mitglieder des Kreistages waren alle Rittergutbesitzer und je ein Vertreter der Städte und Gemeinden. Die Kreisverwaltung befand sich zusammen mit dem Bürgermeisteramt im Bürgerhaus an der Hauptstraße. Mit dem Amtsantritt von Landrat Rudolf von Groote im Jahr 1888 ergibt sich ein Problem: Die Wohnung im Bürgerhaus genügt den Ansprüchen des neuen Landrats nicht. Deshalb wird 1892 mit dem Bau eines neuen Landratsamtes in der heutigen Schweigelstraße begonnen. Heute ist hier die Rheinbacher Stadtverwaltung untergebracht.

Im zweiten Teil seiner Ausführungen ging Pertz auf einige Arbeitsfelder ein, die wesentlich vom Kreis gesteuert oder begleitet wurden. Er hob dabei besonders die Einrichtung und Entwicklung einer Kreissparkasse und die Zusammenlegung landwirtschaftlicher Flächen hervor. Wichtig war auch der Straßenausbau. Um den Bau der Straßen und ihre Unterhaltung zu finanzieren, mussten deren Benutzer das „Chausseegeld“, eine Urform der Maut, bezahlen. Noch heute kann man in Oberdrees das „Alte Zollhaus“ an der B266 bewundern, wo das Chauseegeld für die Nutzung der Essig-Mehlemer Bezirksstraße abkassiert wurde.

Am Samstag, dem 29. April 2017, wurde dieser Vortrag ergänzt durch einen Stadtrundgang unter der Führung unseres Archivfreundes Peter Baus. In der Uniform eines preußischen Polizeiwachtmeisters führte er knapp 40 Personen zu besonders geschichtsträchtigen Punkten, um dort auf humorvolle Weise die Geschichtskenntnisse der Zuhörer hinsichtlich der Preußenzeit in Rheinbach zu erweitern.

Peter Baus als preußischer Wachtmeister
Peter Baus als preußischer Wachtmeister
Andächtige Zuhörer
Andächtige Zuhörer
Am Wilhelmsplatz
Am Wilhelmsplatz