Diesmal war sogar die Empore besetzt!

Es ist nicht nur dem Fleiß und der Sorgfalt des Flamersheimer Gerichtsschreibers Johann Franck zu verdanken, dass wir heute nachlesen können, was im Winterhalbjahr 1629/30 im Dinghaus, dem Gerichtsgebäude am Ort, verhandelt wurde. Auch das Bemühen des kleinen Johann Joseph Dohm aus Kirchheim, seine Schulhefte mit einem Einband vor Schmutz zu schützen, trug dazu bei, dass das Flamersheimer Hexenprotokoll zumindest in wesentlichen Teilen erhalten blieb.

Im Zeitraum September 1629 bis Februar 1630 wurden in Flamersheim fünf Frauen der Hexerei angeklagt und vier von ihnen zum Tode durch Verbrennen verurteilt; eine jedoch widerstand der Folter und musste deshalb freigesprochen werden. Das Urteil wurde jeweils am Urteilsstein auf dem Markt von Flamersheim verkündet. In der Umgebung gab es in dieser Zeit weitere 6 Hinrichtungen.

Als das Dinghaus an der Horchheimer Straße seine Funktion als Gerichtsgebäude verlor wurde das Inventar von der Bevölkerung „übernommen“, auch das Papier – also die Gerichtsakten, das von einer Familie Dohm in Kirchheim im Haushalt Verwendung fand. Es war der Pfarrer Everhard Decker, dem die eigenartig beschrifteten Umschläge auffielen, die der kleine Johann Joseph für seine Schulhefte verwendete. Er erkannte ihren eigentlichen Wert und veranlasste ihre Sicherstellung durch einen örtlichen Heimatforscher. Von den ursprünglich 112 Blatt (224 Seiten) des Flamersheimer Hexenprotokolls konnten so immerhin 54 Blatt gerettet werden. Sie gelangten im Antiquitätenhandel Anfang des 20. Jahrhunderts in die USA an die Cornell Univeristy in Ithaca im Bundesstaat New York.

Dr. Claudia Kauertz, Leiterin des Sachgebiets Archivberatung im LVR-Archivberatungs- und Fort­bildungszentrum in Pulheim-Brauweiler, stieß bei Recherchen auf diesen wertvollen Schatz, der lange Zeit als verschollen galt. Ihr Vortrag wurde mit regem Interesse aufgenommen.

 

Urteilsstein in Flamersheim
Urteilsstein in Flamersheim
Foto: Dr. Claudia Kauertz, LVR-AFZ (2014)