Die Straße Vor dem Dreeser Tor

 

Vorwort

Das, was sich im vergangenen Jahr im Archivverein getan hat, können Sie in den Berichten des Vorstands und des Stadtarchivars nachlesen.

Im März dieses Jahres verstarb Heinz Büttgenbach, langjähriges Mitglied im Vorstand der Archivfreunde und Ehrenbürger der Stadt. Wir erinnern an sein Wirken im Verein.

Die Frage, weshalb die Niederländer 1673 vor den Toren Rheinbachs standen und die Stadt schließlich den Flammen zum Opfer fiel, beschäftigt unser Vereinsmitglied Klaas de Boer – selbst geborener Niederländer – schon länger; im November 2016 schilderte er uns die politischen Hintergründe dazu und nun können Sie das auf Seite 15 auch nachlesen.

Diese Geschichte war auch der Anlass für unser Umschlagbild: Bereits im Mittelalter war die Straße, die heute „Vor dem Dreeser Tor“ heißt, als Teil der Aachen-Frankfurter Heerstraße stark frequentiert und 1673 kamen hier auch die Holländer in die Stadt.

Wie jedes Jahr möchten wir Sie wieder auf die stattliche Liste der Veröffentlichungen des Vereins hinweisen; immerhin: Weihnachten steht vor der Tür!

Und nur wünschen wir Ihnen viel Vergnügen beim Lesen!

 

Der Vorstand im Oktober 2017


Jahresbericht des Vorstands
für den Zeitraum März 2016 bis März 2017

Münstereifel
Bad Münstereifel - Rathaus

 

Es war ein abwechslungsreiches Programm, das sich uns im abgelaufenen Jahr bot:

Nach der Jahreshauptversammlung im März 2016 begann das neue „Geschäftsjahr des Vereins“ Anfang Juni mit einer Exkursion nach Bad Münstereifel.

Obwohl vom Regenwetter beeinträchtigt konnten wir dank einer sehr informativen Stadtführung viele Eindrücke mitnehmen von der Stadt und ihren historischen Gebäuden aber auch von den Menschen die hier die Geschichte der Stadt gelebt haben.

 

 

Hermann Löher
Hermann Löher

 

 

Bei unserem Sommerfest beleuchtete Dietmar Pertz ein aktuelles Thema – die Flüchtlingswelle – diesmal aber von einer ganz anderen Seite. Er schilderte die Schicksale von Mitbürgern, die aus Rheinbach flüchten oder auswandern mussten: im 17. Jahrhundert Hermann Löher, der Schöffe, der selbst in den Strudel der Hexenverfolgung geriet, die Auswanderungswelle der „Wirtschaftsflüchtlinge“, die im 19. Jahrhundert nach Amerika auswandern mussten, nicht zuletzt die jüdischen Mitbürger, die dem Naziregime durch Auswanderung zu entkommen suchten.

Andererseits fanden in Rheinbach viele Menschen Zuflucht - nach dem 2. Weltkrieg etwa 1700 Heimatvertriebene, die hier die Glasveredelung heimisch machten.

 

 

Anfang November schilderte uns Klaas de Boer die Hintergründe, die 1673 dazu führten, dass ein niederländisches Heer unter der Führung von Wilhelm, Prinz von Oranien-Nassau auf einem Feldzug auf dem Weg nach Bonn in Rheinbach einfiel, die Stadt plünderte und schließlich in Brand setzte.

Der Brand von 1673
Der Brand von 1673

 

Giebelständige Häuser
Giebelständige Häuser

 

 

Zum Jahresabschluss machte uns Hajo Henk darauf aufmerksam, wie die gerade in der Weihnachtszeit gemütliche Atmosphäre entlang der Hauptstraße entstanden war: 1947 setzte Franz Kribbeler im Bauausschuss der Stadt durch, dass beim Wiederaufbau der zerstörten Häuser eine durchweg giebelständige Bebauung und die Verwendung von Sprossenfenster mit Butzenscheiben und von Dachgauben beachtet wurde.

 

 

Feldflugplatz bei Odendorf
Feldflugplatz bei Odendorf

 

 

 

Im Februar 2017 war der Ratssaal im Himmeroder Hof bis auf den letzten Platz besetzt, als Horst Schuh in seinem Vortrag die Geschichte des Feldflugplatzes Odendorf darlegte. Der Platz war von der Wehrmacht zu Beginn des 2. Weltkrieges einge­richtet worden um von dort aus Ziele an der Westfront in Frankreich besser bekämpfen zu können, er diente zugleich als Zubringer für ein in der Nähe von Rodert bei Bad Münstereifel befind­liches Führerhaupt­quartier.

 

 

 

 

 

Urteilstein in Flamersheim
Urteilstein in Flamersheim

 

Anfang März 2017 berichtete Dr. Claudia Kauertz vom LVR-Archivberatungs- und Fort­bildungszentrum in Pulheim-Brauweiler über die Geschichte des Flamersheimer Hexenprotokolls. Im Winter 1629/30 wurden in Flamersheim fünf Frauen der Hexerei angeklagt und vier von ihnen zum Tode durch Verbrennen verurteilt. Das Urteil wurde jeweils am Urteilsstein auf dem Markt von Flamersheim verkündet. In der Umgebung gab es in dieser Zeit weitere sechs Hinrichtungen.

Das Protokoll gelangte auf verschlungenen Wegen in die USA und wurde 2014 dort von der Referentin wiederentdeckt.

 

 

 

Die Vorstandssitzungen finden nach verschiedenen Terminabstimmungen nun jeweils am 3. Donnerstag des Monats im Stadtarchiv statt.

Die Umstellung des Versands der Einladungen auf Email ist gut angenommen worden (drei Viertel der Mitglieder lassen sich inzwischen per Email informieren).

Unsere neue Homepage ist seit nunmehr einem Jahr im Netz und erfreut sich regen Zuspruchs.

 


Bericht über die Arbeit im Stadtarchiv Rheinbach
April 2016 bis März 2017

von Dietmar Pertz, Stadtarchivar

  1. Personalsituation

    Frau Fabian
    Frau Fabian

     

    In Bezug auf die hauptamtlichen Kräfte gab es im Berichtszeitraum Veränderungen. Zum 1.4.2017 verließ Frau Fabian nach über zehn Jahren das Stadtarchiv und ist nun im Bauamt tätig. Für die geleistete Arbeit sei Ihr an dieser Stelle noch einmal herzlich gedankt. Insbesondere die vielen Benutzer des Archivs werden es bedauern, dass Frau Fabian nicht mehr in der Polligsstraße arbeitet, war sie doch stets freundlich und sehr hilfsbereit. Als Ersatz möchte die Stadtverwaltung so bald wie möglich eine/n Fach-angestellte/n für Medien und Informationsdienste/Fachrichtung Archiv einstellen. Aber auch diese Stelle wird eine Halbtagsstelle sein.

    Monika Waldbröl
    Monika Waldbröl

    Weiterhin arbeitet Herr Esser an zwei Vormittagen der Woche ehrenamtlich im Archiv. Er transkribiert die Wormersdorfer Schulchronik. Herr Steinbach digitalisiert wie bisher Standesamtsbücher in Form von Fotos. Im Januar 2017 lernte der Schüler Marlon Schneider bei einem dreiwöchigen Praktikum unser Archiv kennen.

    Seit dem 1. Juli 2017 haben wir mit Monika Walbröl aus Bad Breisig eine neue Mitarbeiterin im Archiv. Sie hat eine Ausbildung als Fachangestellte für Medien und Informationsdienste/Fachrichtung Bibliothek absolviert und wird hier bei uns hauptsächlich in der Altaktenverwaltung und bei der Benutzerbetreuung tätig sein. Sie ist von montags bis donnerstags von 8:00 h bis 12:30 h im Dienst und unter der Telefonnummer 917-551 und der Email-adresse monika.walbröDiese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar.

    Die Freunde des Archivs und das Stadtarchiv freuen sich darüber, dass jetzt alle Planstellen im Archiv wieder besetzt sind und wünschen Frau Walbröl einen guten Start bei der Stadt Rheinbach.

  2. Akquirierung von stadtgeschichtlich bedeutsamen Archivalien oder Gegenständen

    Im Herbst 2016 bekam das Stadtarchiv noch einmal 180 Keramikobjekte der Firmen Ruscha, Marei und ES-Keramik von Dr. Karl-Heinz von den Driesch aus Bonn geschenkt. Zurzeit werden diese Vasen, Teller und Krüge verzeichnet. Drei große Kisten mit Dokumenten, die Karl Burkhard Settegast gesammelt hatte, konnten im Herbst in Ravensburg abgeholt werden. Auch diese Sammlung, die Dokumente zur Familie, zum Bombenkrieg in Rheinbach und zu Settegasts Einsatz als Luftwaffenhelfer beinhaltet, wird zur Zeit geordnet und verzeichnet. Aus dem Nachlass Cox, Todenfeld, konnten Bücher übernommen werden. Kleinere Schenkungen kamen aus den Familien Pesch, Loben/Kraus, Horn und Lenartowski. Herr Dr. Freiberger (Mechernich) erarbeitete genealogische Dokumentationen zu den Familien Gerhartz und Floss. Bereits digitalisiertes Material konnte im großen Umfang Heinz Löhrer zur Verfügung stellen. Die eingescannten Dokumente beziehen sich auf die Familien Löhrer und Krautwig. Für die heimatkundliche Sammlung konnte zudem noch eine Ratsche erworben werden.

    Zum Ende seiner Gastwirtskarriere schenkte Albert Berg der Stadt noch einige Kartons mit Büchern "Die Rheinbacher Hexe" zur kostenlosen Weitergabe an Interessierte. Hierin sind zwei gegen Ende des 19. Jahrhunderts verfasste Erzählungen zur Hexenverfolgung und zur Einnahme der Stadt durch holländische Truppen zusammengefasst. Herausgegeben wurde das Buch 1982 von Willi Berg. Die Exemplare stießen bei den Bürgern auf großes Interesse. Wer noch ein Buch haben möchte, kann sich gerne eins im Stadtarchiv abholen.

  3. Kassation, Erschließung und Verzeichnung
    In das Altaktenarchiv wurden zwischen April 2016 und März 2017 rund 1.200 Akten neu eingeordnet.

    Eine städtische Schule wurde im vergangen Jahr aufgelöst: Die Albert-Schweitzer-Schule

    Die nicht vom Archiv ausgesonderten Archivalien wurden verzeichnet. Ebenso bot der Umzug der Tomburg-Realschule in das Hauptschul­gebäude den Anlass für eine Bewertung der Akten. Die letztlich übernommenen Dokumente wurden ebenfalls verzeichnet.

  4. Geschichtsvermittlung, Tourismus

    1. Hexenturmverwaltung
      Der Hexenturm wurde im abgelaufenen Jahr 31-mal kostenpflichtig vermietet. Dazu kamen auch wieder viele Nutzungen durch Schulen z. B. beim Nationalen Vorlesetag.

    2. Stadt- und Burgführungen
      Als Burg- und Stadtführer waren 2015 elf Burg- und Stadtführer aktiv. Gegen Ende des Jahres drehte Günter Winkel seine letzte "dienstliche" Runde durch die Stadt. Ebenfalls zog sich Willi Pfeifer aus Altersgründen aus dem Kreis der Burg- und Stadtführer zurück.

      In diesem Jahr konnten 16 Burg- und Stadtführengen gegen Gebühr durchgeführt werden. Etwa 350 Teilnehmer konnten gezählt werden. Es wurden darüber hinaus 26 kostenfreie Burg- und Stadtführungen abgehalten. 550 Personen nahmen daran teil. Erfreulich war dabei, dass vier Deutschkurse von ausländischen Studenten der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und sechs Grundschulklassen dieses Angebot nutzten.

      Als Burg- und Stadtführer waren 2016 noch neun Burg- und Stadtführer aktiv. Es musste auch in diesem Jahr keine angemeldete Führung ausfallen oder verschoben werden. Da aber 2017 zwei langjährige Burg- und Stadtführer in den verdienten Ruhestand treten werden, ist die Gewinnung von Nachwuchs dringend erforderlich.

      In diesem Jahr konnten 30 Burg- und Stadtführungen gegen Gebühr durchgeführt werden. Etwa 500 Teilnehmer wurden dabei gezählt. Darüber hinaus fanden 38 kostenfreie Burg- und Stadtführungen statt. Über 750 Personen nahmen daran teil.

      Erfreulich war dabei, dass erneut mehrere Deutschkurse von aus-ländischen Studenten der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und Grundschulklassen dieses Angebot nutzten.

      Am 13. August und am 3. September führte der Stadtarchivar zunächst den Heimatverein Buschhoven, dann die Schützen aus Rheinbach über die Tomburg.

      Für eine Führung im Hexenturm war im November auch eine Arbeitsgruppe des Michaels-Gymnasium Bad Münstereifel zu Gast.

    3. Geschichtsvermittlung
      Am 21. Dezember 2016 wurden in würdiger Weise die ersten Stolpersteine in Rheinbach verlegt.

      Der Landschaftsverband errichtete mit Unterstützung des Archivs Anfang dieses Jahres am Dreeser Weg eine Informationstafel zum Munitionsdepot und der Munitionsfabrik.

      Für die Halloween-Sendung des Kinder­radios Kiraka wurden Auf­nahmen im Archiv und Hexenturm gemacht. Der Archivar wurde dabei interviewt.

    4. Ausstellungen
      In Kooperation mit den Städten Rheinbach und Siegburg zeigte der Rhein-Sieg-Kreis eine Wanderausstellung zum Thema „200 Jahre rheinische und westfälische Kreise“ vom 19. Oktober 2016 bis 3. November 2016 im Rathaus der Stadt Rheinbach. Das Stadtarchiv unterstützte die Herstellung der Tafeln, die den Kreis Rheinbach betrafen mit Dokumenten, Informationen und Fotos.

    5. Vorträge und Archivführungen
      An zwei Terminen referierte Dietmar Pertz bei der Senioren-Union Rheinbach zur Geschichte der Ezzonen.

      Am 12. April hielt der Archivar in Odendorf einen gut besuchten Vortrag zum Thema "Bergbau in Rheinbach".

      Am 3. August konnte der Vortrag bei einer Seniorenveranstaltung in der Schützenhalle wiederholt werden.

      Im abgelaufenen Jahr fanden auch zwei Unterrichtseinheiten mit Arbeitsgruppen des St.-Joseph-Gymnasiums (Herrn Heidel) zu den Themen Archiv und Stadtgeschichte (ca. 8 x 2 Std).

      An drei Tagen lernte auch eine Klasse des Städtischen Gymnasiums das Archiv kennen (Herr Gerdemann).

      Am 18. Oktober berichtete der Archivar bei der Eröffnung der Ausstellung "200 Jahre rheinische und westfälische Kreise" zum Kreis Rheinbach.

    6. Tag des offenen Denkmals
      Ein großer Erfolg war auch in diesem Jahr der "Tag des offenen Denkmals" in Rheinbach. Der Eifel- und Heimatverein Rheinbach und das Stadtarchiv hatten zur Besichtigung des Kallenturms und der Rheinbacher Burg eingeladen. Bundesweit stand der Denkmaltag unter dem Motto "Gemeinsam Denkmale erhalten". Insgesamt öffneten über 8000 Denkmäler, die bei sommerlichem Wetter rund 4 Millionen Interessierte anlockten.

      In Rheinbach wurden die hiesigen Organisatoren tatkräftig vom Georgsring um Martin Fröhlich und den Rheinbacher Georgs-Pfadfindern unterstützt. Letzteren dient der Kallenturm schon lange als Heimstatt. Nicht nur die allwöchentlichen Gruppenstunden finden hier statt. Am Tag des offenen Denkmals bauten die "Pfadis" eine Jurte vor dem Turm auf, in der "Chili con Carne" angeboten wurde. Darüber hinaus übernahmen sie die dortigen Turnführungen, die stündlich stattfanden und sehr gut besucht waren.

      Von großem Interesse war an diesem Tag auch die Rheinbacher Burg mit Hexenturm, wobei viele Besucher zum ersten Mal überhaupt etwas von einer Burg in Rheinbach hörten. "Bei sieben Führungen konnten wir insgesamt fast 250 Personen das Burggelände erläutern", freute sich Dietmar Pertz vom Stadtarchiv. "Darüber hinaus erkundeten sicher noch einmal genauso viele Menschen den Hexenturm auf eigene Faust." Geboten wurde neben zwei spannenden Powerpoint-Präsentationen zur Geschichte der Burg und der Hexenverfolgung auch ein Malraum für Kinder. Daneben warfen vor allem diese jüngeren Besuchern im Wappenraum einen ehrfurchtsvollen Blick auf den Burgherrn Ritter Theoderich, der als lebensgroße Figurine anwesend war. Neu gestaltet war auch das Dachgeschoss, das durch neu angebrachte Infotafeln den Besuchern die Geschichte der Burg auch in Zukunft näher bringen wird. Stadtarchivar Dietmar Pertz bedankte sich herzlich bei Hedwig Schmitt-Wojcik, Bernhard Grund und Heinz-Dieter Pausch, alle als qualifizierte Burgführer des Eifelvereins bekannt, für die Übernahme der Führungen über das Burggelände. Ebenfalls zu den Führern gehörte Peter Baus, der sich zudem noch bei der Vorbereitung des Denkmaltages besonders engagierte. Er hatte neben der Konzeption einer der Präsentationen auch die Neugestaltung des Dachgeschosses über­nommen.

    7. Publikationen

      Bericht über die Arbeit im Stadtarchiv Rheinbach April 2015 bis März 2016, in: Mitteilungsblatt 15 – 2016, hrsgg. von den Freunden des Archivs der Stadt Rheinbach e. V., S. 5 – 9.

      Rheinbachs fließende Gewässer, in: Eifel- und Heimatverein Rheinbach: Wander- und Veranstaltungsplan 2017, S. 2 – 4.

      Der Kreis Rheinbach von der Besatzungszeit bis zu seiner Auflösung, in: Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 2017, Niederhofen 2016, S. 34 – 40.

      Erste Stolpersteinverlegung in Rheinbach am 21.12.2016, in: kug II/2017, S. 5 – 7.

      Stolpersteine für vierzehn jüdische Bürger Rheinbachs, Teil1: Hermann und Clementine Klaber, in: kug III/2017, S. 5 – 6.

 

 


 

Protokoll der Jahreshauptversammlung am 15. März 2016

Zur Versammlung wurde am 20.02.2017 fristgerecht eingeladen; es erschienen 26 Mitglieder, die Versammlung war beschlussfähig.

Zur Tagesordnung lagen keine Änderungsanträge vor.

  1. Begrüßung

    Der Vorsitzende begrüßte die anwesenden Mitglieder und dankte ihnen für ihr Erscheinen.

    Sodann forderte er zum Gedenken an die seit der letzen Jahreshauptversammlung verstorbenen Mitglieder des Vereins auf:

    Heinrich Leonhard Cox
    Harald Kliebhan
    Annegret Kolberg
    Johannes von Meer
    Wilhelm Müller

  2. Bericht des Vorstandes
    Der Schriftführer trug den Jahresbericht des Vorstandes vor. Er ließ das abwechslungsreiche Vortragsprogramm des abgelaufenen Jahres Revue passieren: fünf Vortragsveranstaltungen, eine Exkursion und die traditionellen Zusammenkünfte Sommerfest und Jahresabschluss.

    Der Bericht wird im Mitteilungsblatt 16/2017 abgedruckt.

    Der Schatzmeister ging zunächst auf die Besonderheiten im Berichtsjahr ein, die für die Beurteilung der Kassenlage relevant sind: u.a. geringe Publikationsaktivitäten, eine hohe Einmalspende der Bürgerstiftung „Wir für Rheinbach“ als Druckkostenzuschuss für das Buch „Habt ein besseres Gedächtnis! Aus dem Nachlass eines engagierten Historikers“ (GIR5), Auflösung des Giro-Kontos bei der Kreissparkasse, Umstellung des Versand von Einladungen auf Email.

    Auf der Einnahmeseite sind deutlich geringere Erlöse aus Buchverkäufen festzustellen, die Ausgaben bewegen sich, wenn man von den im Vorjahr sehr hohen Druckkostenzuschüssen absieht, im Rahmen. Die Einsparungen durch den Email-Versand wurden durch Porto-Steigerungen der Deutschen Post reduziert. Insgesamt ist die finanzielle Situation des Vereins mit rund 3.700 € positiv zu bewerten

    Zum Jahresende 2016 hatte der Verein 141 Mitglieder.

  3. Bericht der Kassenprüfer
    Die Kassenprüfung wurde von Herrn Beyer und Herrn Greiff durchgeführt. Sie bescheinigten eine klare und übersichtliche Kassenführung, die keinerlei Anlass zu Beanstandungen gab. Sie empfehlen die Entlastung des Vorstands.

  4. Aussprache zu den Vorstandsberichten
    Eine Aussprache zu den Vorstandsberichten wurde nicht für erforderlich gehalten.

  5. Entlastung des Vorstandes
    Die Versammlung entlastete den Vorstand einstimmig ohne Gegenstimmen.

  6. Bericht aus der Arbeit des Stadtarchivs
    Nach über 10 Jahren im Stadtarchiv wird Frau Fabian zum 01.04.2017 ins Bauamt der Stadt wechseln. Die Stadt ist bestrebt, eine Halbtagskraft (Fachrichtung Archiv) einzustellen. Auch im vergangenen Jahr konnten zahlreiche stadtgeschichtlich bedeutsame Archivalien gewonnen werden, u.a. von Karl Burkard Settegast über den Bombenkrieg in Rheinbach und digitalisiertes Material zu den Familien Löhrer und Krautwig. Die Sichtung und Übernahme von Altakten von Schulen ist eine ständige Aufgabe, in diesem Jahr lag dabei ein Schwerpunkt auf der Auflösung der Albert-Schweizer-Schule.

    Die Betreuung Touristik-fördernder Maßnahmen ist nun dem Glasmuseum als Kulturamt als Aufgabe zugewachsen. Das Stadtarchiv hat als Teil des Kulturbereichs hier ebenfalls neue Arbeitsfelder übernommen. Wie bisher kümmert sich das Archiv um die Verwaltung der Nutzung des Hexenturms durch unterschiedliche Nutzer oder das Management der Stadt- und Burgführungen. Insgesamt waren 68 Führungen mit über 1250 Personen und zusätzlich über 40 Nutzungen des Hexenturms zu organisieren.

    Der Tag des offenen Denkmals stellte den Hexenturm und den Kallenturn – mit Unterstützung der Rheinbacher Georgs-Pfandfinder – in den Mittelpunkt.

    Der Bericht wird im Mitteilungsblatt 16-2017 veröffentlicht.
  7. Wahl der Kassenprüfer
    Für das Amt der Kassenprüfer stellten sich Herr Hubert Beyer und Herr Rolf Greiff erneut zur Wahl, sie wurde ohne Gegenstimme in ihrem Amt bestätigt.

  8. Finanzplan für 2017
    Der Schatzmeister stellte den Finanzplan für das Jahr 2017 vor:

    Ausgehend von einem Kontostand zu Beginn des Jahres von rund 3.700 € werden Einnahmen erwartet in Höhe von etwa 3.300 €.

    Ausgaben im laufenden Jahr sind in einem Umfang von etwa 3.900 € eingeplant.

    Der Finanzplan wurde von der Versammlung ohne Diskussion gebilligt.

  9. Sonstiges
    Herr Mohr weist darauf hin, dass das Buch „Sie waren Nachbarn“ (GIR1) schon seit längerer Zeit vergriffen ist. Eine Neuauflage scheiterte bislang daran, dass die Übertragung der Text-Dateien auf die neue Drucktechnik Schwierigkeiten bereitete. Das Problem soll aber in absehbarer Zeit gelöst werden.

  10. Chronik und Geschichte der stadt Rheinbach („Treppenflyer“)
    Herr Herrmann schilderte die Überlegungen, die zur Entwicklung des neuen Flyers führte. Dieser beschreibt in komprimierter Form die Chronik und die Geschichte der Stadt, die besondere Darstellungsweise stellte hohe Anforderungen an die Vorbereitung der Texte und in der Produktion.

    Erste Reaktionen zeigen ein sehr positives Echo; die Mitglieder erhalten den Flyer als Jahresgabe 2016.

  11. Web-Präsenz der Archivfreunde
    Herr Bühler führte die neue Web-Präsenz der Archivfreunde vor und erläuterte, welche Informationen in den einzelnen Rubriken gefunden werden können.

  12. Schlusswort
    Der Vorsitzende dankte den Anwesenden für ihre rege Teilnahme und beschloss die Versammlung. Anschließend lud er zu einem kleinen Umtrunk ein.

 

Heinz Büttgenbach
*07.05.1938 +30.03.2017

Heinz Büttgenbach
Heinz Büttgenbach

Wir müssen Abschied nehmen von Heinz Büttgenbach.

Er war 1996 einer der Initiatoren, die die Gründung des Vereins der Archivfreunde in Rheinbach vorangetrieben haben. Als Beisitzer im Vorstand war er uns seit 2004 über 13 Jahre lang eine unerschöpfliche und zuverlässige Quelle und ein kundiger Berater zu allen Fragen der jüngeren Stadtgeschichte.

Dieses Thema lag ihm ganz besonders am Herzen, hat er es doch in seiner Tätigkeit als Bürgermeister (1969 bis 1989) wesentlich mitgestaltet. Es führte ihn zu einer Mammut-Aufgabe: die Aufbereitung der Folge von Mandatsträgern, die in der Vergangenheit die Geschichte der Gemeinde Rheinbach bestimmt haben – eine Mammut-Aufgabe deshalb, weil es darüber keine Akten mehr gibt. Sie waren am Ende des 2. Weltkrieges vernichtet worden, die Vorgänge mussten nun aus Zeitungsmeldungen mühsam rekonstruiert werden.

Heinz Büttgenbach stellte sich dieser Aufgabe und löste sie hervorragend: in zwei Bänden der Reihe „Beiträge zur Geschichte der Stadt Rheinbach – Kleine Reihe“ beschreibt er die Entwicklung der kommunalen Selbstverwaltung in der Stadt Rheinbach im Zeitraum 1845 bis 1945 und er zögerte nicht lange um auch den nächsten Zeitraum – die Nachkriegsepoche 1945 bis 1969 – in Angriff zu nehmen.

Die Vollendung dieses Kapitels war ihm nicht vergönnt – er verstarb im März 2017.

Wir vermissen ihn schmerzlich, wir werden ihm ein ehrendes Angedenken bewahren.

Der Vorstand


Weshalb stannd Wilhelm, Prinz on Oranien-Nassau, 1673 vor den Toren Rheinbachs?

von Klaas de Boer

Dieser Text entspricht den am 2.11.2016 vor "Freunde des Archivs der Stadt Rheinbach" gehaltenen Vortrag. Er wurde textlich korrigiert und ist bildreicher und ausführlicher als der im Mitteilungsblatt 16-2017 des Rheinbacher Archivvereins abgedruckten.

Wer die Internetseiten der Stadt Rheinbach besucht, findet unter dem Stichwort "Geschichte" bei "Frühe Neuzeit" einen Text zu Ereignissen aus lange vergangener Zeit:

Eroberung Rheinbachs 1673
Eroberung Rheinbachs 1673
Die Eroberung Rheinbachs am 1. November 1673 in einer Grafik von Romeyn de Hooge (Bild Rijksmuseum).

Was mag wohl der Anlass dieses schrecklichen Ereignisses gewesen sein? Weshalb war ein niederländisches Heer vor Rheinbachs Tore gerückt? Und wieso stand das Heer unter Wilhelm von Oraniens Kommando? Was waren die Hintergründe seines Feldzuges?1 Um dies alles zu verstehen, muss man schon einige Jahrhundert zurückschauen. Es handelt sich um die Geschichte der Erbfolgen in den relevanten Territorien und europäischen Fürstentümern, aber ebenso um die inneren politischen Entwicklungen in den Niederlanden.

Das Mittelreich, Zerfall, und Vereinigung unter Burgund

Als das Erbe Kaiser Karls des Großen unter seine Enkel verteilt wurde, entstand zwischen dem Westfrankenreich und dem Ostfrankenreich das Mittelreich (einschliesslich Italien und der Kaiserwürde), das aber auch wegen seiner geografischen Lage keinen Bestand hatte. Nördlich der Alpen lagen in diesem Streifen die späteren Territorien bzw. Herrschaften Burgund, Elsass und Lothringen, dann Luxemburg und nördlich davon die vielen kleineren Gebiete, die durch Heirat und Erbe um 1473 in der Hand des Hauses Burgund vereint waren. Das Zentrum der Macht der Burgunder wurde das Gebiet von Flandern und Brabant, das wirtschaftliche Zentrum in NW-Europa, insbesondere mit den Städten Gent und Brüssel. Das ganze Gebiet nördlich von Frankreich wurde bald "die Niederlande" genannt.

Als Karl der Kühne von Burgund 1477 starb, trat seine Tochter Maria (*1457 Brüssel) im Alter von 20 Jahre das Erbe an. Die Provinzen akzeptierten sie als Landesherrin, man gelobte sich gegenseitige Erfüllung der Pflichten. Maria musste aber viele der von ihren Vorgängern geschmälerten Privilegien restituieren und dazu das Recht auf Selbstversammlung des "Großen Rat" der Stände einräumen. Um feindliche Angriffe (insbesondere von Frankreich) abzuwehren, heiratete sie im gleichen Jahr Maximilian von Habsburg, den Sohn Kaiser Friedrich III, eine Verbindung die schon läger anberaumt war. Maximilian selber wurde 1493 zum Kaiser gewählt.

Marias Enkel Carolus/Karl/Karel, der 1519 als Karl V. zum Kaiser gewählt wurde, erbte quasi ein Weltreich: die habsburgische Länder, Spanien (Castilien, Aragon, Sardinien, Sizilien, Napels) als König Carlos I, die Burgundischen Niederlande und das Kolonialreich in Amerika. Bald überliess er die Verwaltung der habsburgischen Lande seinem jüngeren Bruder Ferdinand (1556 zum Kaiser gewählt). 1555 gingen sein spanischer Besitz und die Niederlande an Karls Sohn Philipp (Philipp II. als spanischer König). Philipp (1529 geboren) erfuhr in Spanien eine streng konservativ-katholische Erziehung.

Nassau in den Niederlanden ab 1403, Oranien.

Karl V. verzichtete 1555 auf alle seine Herrscherwürden. Bei seiner Abdikation stüzte er sich auf die Schulter Wilhelms, des Prinzen von Oranien und Grafen von Nassau. Weshalb war dieser Wilhelm von Nassau dem Kaiser so nah?

Wappen Nassau

1403 heiratete Johanna van Polanen mit Wohnsitz Breda (Erbtochter vieler Güter und Herrschaften in Brabant, Holland, Zeeland und Utrecht und im Hennegau) Engelbrecht I. von Nassau-Dillenburg (aus der Ottonischen Linie). Deren Sohn Jan van Nassau-Breda2 erbte all diesen Besitz sowie Nassau (als Jan IV. in der Nassauischen Zählung). Er und mehrere Verwandte und Nachkommen hatten dann viele Verwaltungsfunktionen in den niederländischen Gebieten inne. So wurde der Urenkel von Engelbrecht I. und Johanna, Hendrik III. van Nassau-Breda, Drossaart von Brabant. Er wurde, als der junge Karl von Habsburg verwaiste, zu einem der Erzieher ernannt. Und Karl ernannte 1515 Hendrik III van Nassau-Breda zum Statthalter von Holland und Zeeland.

Willem van Oranje Nassau

Hendrik III hat dreimal geheiratet. Seine zweite Gattin war Claudia de Chalons, Erbtochter von Jean IV, Prince d' Orange. Dieses Paar bekam 1519 den Sohn René van Nassau-Breda, der sich, nach dem er 1530 das Fürstentum Orange geerbt hatte, René de Chalons nennt. 1540 wird er zum Statthalter von Holland und Zeeland ernannt. Aber 1544 stirbt René nach der Schlacht bei St.Dizier (Karl V. steht ihm am Feldbett bei). Er überlässt seinem Neffen Wilhelm von Nassau (geb. 1533) das Fürstentum Orange als Erbe; dieser Wilhelm von Nassau nennt sich dann Wilhelm Prinz von Oranien, Graf von Nassau-Dillenburg, Herr von Breda. Er war von Geburt her protestantisch. Später, am Hofe in Gent/Brüssel (ab 1544), wurde er katholisch erzogen.

Aufstand der Niederländer gegen Philipp II König von Spanien

Nachdem Philipp II. das spanische Reich übernommen hatte, ernannte er Willem van Oranje-Nassau zum Statthalter in Holland und Zeeland, Philipps Halbschwester Margaretha wurde Statthalterin in den südlichen Provinzen.

Als Folge seiner konservativ-katholischer Erziehung sieht Philipp es als seine Aufgabe an, der Reformation in den Niederlanden nach Kräften entgegenzuwirken. Die Kosten der dazu notwendigen Maßnahmen (Verwaltung, Inquisition, Heer) sollen durch eine Anhebung der Steuern bezahlt werden. Aus diesem Grund und wegen der militärischen Repression und den damit einhergehenden Greueltaten kommt es zum Aufstand. Die Unfriede äussert sich in einem Bildersturm (1566) in Flandern, Brabant und Holland. Nach langem Zögern schlägt Willem van Oranje-Nassau sich wegen des von den Spaniern verübten Unrechts auf die Seite der Aufständischen "da der König von Spanien sein Gelöbnis nicht hält". Und nach weiterem inneren Ringen bekennt er sich 1573 endgültig zum Protestantismus. Die spanischen Heere versuchen, den Aufstand zu unterdrücken. Die betroffenen Provinzen leiden schwer unter Verfolgung und Krieg, aber der Aufstand gelingt. Schliesslich, 1581, erklären die sieben nördlichen Provinzen sich unabhängig von Spanien. Die Generalstaaten bitten Willem van Oranje-Nassau die Funktion des Statthalters (nun de facto so etwas wie Regierungsoberhaupt) weiter zu erfüllen.

Entstehung der niederländischen Republik

Spanien versucht nun mit allen Mitteln, den Aufstand niederzuschlagen. Dies geschieht in vielen spanischen Feldzügen (die spanische Heere müssen über die Alpen anmarschieren!) und Belagerungen, die viel Leid bringen, aber auch Widerstand erzeugen. 1584 stirbt Willem van Oranje durch ein Attentat (spanisches Kopfgeld!). Damit verlieren die Provinzen ihre charismatische Leitfigur.

Traditionsgemäß würde der Lehnsherr einen neuen Statthalter benennen. Aber seit der Unabhängigkeitserklärung gibt es keinen Lehnsherren mehr. Die Generaalstaaten diskutieren und erwägen: soll man Königin Elisabeth von England die Lehensherrschaft antragen? Oder vielleicht König Henri III von Frankreich? Beide Möglichkeiten haben Vorteile, aber sicher auch Nachteile.Letztendlich lehnen beide ab; einerseits wegen des Krieges mit Spanien, andererseits, um keinen möglichen Präzedenzfall zu schaffen: es könnten u.U. Provinzen ihres Herrschaftsbereiches sich ihre Lehnsherren selbst aussuchen wollen. Schliesslich entscheiden die Generalstaaten sich, Willems Sohn Maurits van Oranje-Nassau (Enkel von Moritz von Sachsen) zu bitten, die Funktion des Statthalters zu übernehmen. Und damit haben sich die Niederlande de facto zu einer Republik gewandelt.

Niederländische Garnisonen wurden 1614 (nach dem Ende des Erbstreits um das Herzogtum Cleve) zur Abschirmung spanischer Angriffe am Niederrhein stationiert (umkreist). Die Festung Pfaffenmütz der Niederländer entstand 1621.

Der Streit um die Unabhängigkeit und die Vertreibung der Spanier geht weiter und ist 1598 mehr oder weniger beendet. Die sieben nördlichen Provinzen bilden nun eine selbständige Staatseinheit. Aber die Drohung aus Spanien bleibt. Das ist der Grund, 1614 die Möglichkeit zu nutzen, niederländische Garnisonen in mehreren Städten am Niederrhein zu stationieren, um die Südostseite der Niederlande gegen Angriffe abzusichern. Es gibt aber immer weniger Feldzüge und der Handel floriert, so wie sich die Holländer das wünschen. Das Heerwesen wird vernachlässigt. Die Unabhängigkeit der Niederlande wird schließlich im Westfälischen Frieden von allen europäischen Staaten anerkannt.

Die europäische politische Lage 1650-1670

Der Westfälische Frieden sollte über längere Zeit zu einem friedlichen Zusammenleben in Europa führen. Aber es gibt immer irgendwelche Störenfriede.....

In Frankreich folgt Louis XIV 1643 (geboren 1638) als König, ab 1661 regiert er absolut. Er ist machtbesessen, betreibt die Ausdehnung seines Königsreichs (wie auch mehrere seiner Vorgänger) durch Erpressung, Erbschaftsargumente und Eroberungskriege. Er sieht Frankreich bedroht, ringsherum liegen habsburgisch regierten Länder!

Als 1665 Philipp IV von Spanien stirbt, erhebt Louis XIV fadenscheinige (Erb-)Ansprüche auf spanisches Gebiet, darunter auch auf Artois, Brabant, Namur, Obergelre und mehr. Er schmiedet eine Allianz und Holland beteiligt sich (Spanien ist eben der Erbfeind). Auch die Bistümer entlang dem Niederrhein machen mit. Louis XIV attackiert 1666 die spanischen Niederlande. Die meisten der eroberten Territorien müssen er und Münster nach kurzem Krieg zurückgeben.

Das römische Kaiserreich ist eine lockere Gemeinschaft unabhängiger großer, kleiner und winziger Herrschaftsbereiche. Regionale Interessen dominieren die politsche Lage. Der gewählte Kaiser hat es schwer, in für das Reich bedrohlichen Lagen die notwendigen Gelder zur Aufstellung eines Heeres bewilligt zu bekommen.

In den Niederlanden stirbt 1650 der drei Jahre zuvor ernannte Statthalter Willem II. Sein Sohn, der vielleicht einmal Willem III sein sollte, war gerade geboren. Nun entscheiden sich aber die Staaten von Holland und Zeeland, keinen neuen Statthalter zu ernennen. Auch die Generaalstaaten finden es opportun, ohne Einmischung durch einen Oranje-Prinzen regieren zu können. (In den Provinzen Friesland, Groningen und Drente bleibt einen Nebenzweig von Nassau im Amt.)

Die Republik der Vereinigten Niederlande setzt auf das Vermeiden von Kriegen um dem Handel nicht zu schaden. Intern gibt es zwei politische Strömungen, die der "Staatsen" (Republikaner) und die der "Orangisten" (derjenigen, die unbedingt einen Prinzen van Oranje-Nassau als Regierungsoberhaupt haben wollen). Dazu kommt, dass es in den Provinzen oft regional orientierte Fraktionen gibt, die sich bezüglich der Landespolitik auch nicht einigen können. Entscheidungen werden im "Staaten Generaal" besprochen, die Repräsentanten beraten sodann in den Provinz-Staaten unter großen Schwierigkeiten und kehren nach Abschluss der Provinzberatungen mit Empfehlungen nach Den Haag zurück. Einstimmigkeit wird schwer erreicht und die Diskussionen zusammen mit den Beratungen in den Provinzen können lange dauern (ähnlich wie zur Zeit, 2016, Entscheidungen in der Europäischen Union). Das Ausland sieht diese interne politische Konstellation als Schwäche, die die Entscheidungsfähigkeit der Niederlande stark beeinträchtigt. Dazu kommt, dass, auf Betreiben Englands, die Provinzen Holland und Zeeland entschieden haben, nie wieder einen Oranje-Nassau als Statthalter zu akzeptieren.

Die Allianz von 1671: Frankreich, England, Chur-Cöln, Münster

Louis XIV bereitet einen erneuten Versuch vor, die spanischen Niederlande zu erwerben. Diesmal ist die Taktik, nicht diese Länder sondern die Niederlande anzugreifen und zu erobern in der Erwartung, dass ihm danach die spanischen (süd-niederländischen) Territorien, nach dem Ableben des wohl zeugungsunfähigen spanischen Königs Karl II., aus rein geografisch-strategischen Gründen zufallen würden.

 

Die Kontrahenten der Koalition von 1671 zum Angriff auf die Niederlande 1672

Charles II, König von England (Bild Wikipedia). Obwohl Schwiegervater von Willem III van Oranje, waren ihm die Macht Englands und die Beherrschung der Meere wichtiger.
Louis XIV, König von Frankreich (Bild Wikipedia). Er war bedacht auf Kriegsglorie und Machtvergrößerung.
Maximilian von Bayern, Churfürst von Cöln und Bischof von Lüttich (Bild Wikipedia)
Bernhard von Galen, Bischof von Münster. Seine Spezialität war die Entwicklung von Kanonen und Bomben (Bild Wikipedia). Man gab ihm daher bald den Spitznamen "Bommen Beerend"

 

Louis XIV schliesst Verträge (basierend auf großen Geldzahlungen) mit England (Angrif auf die Niederländischen Flotte,ggf Landung in Zeeland), mit Chur-Cöln (Bischof Maximilian von Bayern ist auch Bischof von Lüttich, somit gibt es einen Land-Korridor für Frankreich durch die spanischen Nierderlande zum Rhein), und mit Münster (Bischof Bernhard von Galen rühmt sich Experte im Bau von Kanonen zu sein und möchte sich gerne wieder an einem Krieg gegen den Niederlanden beteiligen). Franz Egon von Fürstenberg, der Bischof von Straßburg, ist gleichzeitig Geschäftsführer des Cölner Churfürsten. Franz und sein Bruder Wilhelm Egon von Fürstenberg sind wohl die Drahtzieher der Cölner frankophilen Politik gewesen.3

Damit nicht genug. Es gelingt Louis XIV, ins geheim einen Nicht-Angriffsvertrag mit Preussen abzuschliessen sowie einen Vertrag mit dem Kaiser, das Deutsche Reich aus dem Krieg herauszuhalten.

In den Niederlanden ist die republikanische Fraktion stark und die Generaalstaaten haben in den vielen Jahren ohne Krieg die niederländische Armee, einst die bestorganisierte in Europa, vernachlässigt. Trotz wirtschaftlicher Dominanz haben die Niederlande wohl den Höhenpunkt ihrer Macht hinter sich. In dieser Gesamtlage sieht Louis XIV der Weg für den Angriff frei. Die Vorbereitungen zum Krieg können aber nicht geheim bleiben und es wird unruhig in den Niederlanden.

Angriff auf den Republik der Vereinten Niederlande 1672

England greift mit seiner Flotte niederländische Schiffe an. Frankreich, unter den Generälen Condé, Luxembourg, und Turenne, greift mit 130 000 Soldaten an (die Republik hat 30 000).Die französische Armee marschiert über Lüttich an Maastricht vorbei, danach über die Maas in östliche Richtung und dann beiderseits des Rheins in nördliche Richtung. Die nach dem Jülicher Erbfolgekrieg 1609 in Orsoy, Rheinberg, Cleve, Rees, Wesel und Emmerich lagernden niederländischen Garnisonen geben schnell auf. Münster fält zusammen mit chur-cölnischen Truppen in Overijssel und Drenthe ein.

Louis XIV überquert am 12 Juni 1672 mit seinem Heer den Rhein bei Tolhuis nahe Lobith und vermeidet so die östliche niederländiche Verteidigungslinie entlang der IJssel (Gemälde von Adam Frans van der Meulen; Rijksmuseum)

Am 12 Juni folgt ein herber Schlag: die französischen Truppen überqueren unter Führung von Louis XIV den Rhein in Richtung Westen und vermeiden dadurch schwierige Gefechte an der niederländischenIJssel-Verteidigungslinie. Sie stoßen durch Nieder-Gelre nach Utrecht vor. Holland wird aber vom Wasser gerettet: man öffnet Schleusen und durchsticht Deiche, sodass eine Wasserfläche entsteht, die von der Zuiderzee bis Dordrecht reicht.

Willem III van Oranje, 22 Jahre jung (Bild Rijksmuseum)

In Holland ist Panik ausgebrochen. Der Ruf nach "Oranje" erklingt. Willem III van Oranje-Nassau (22 Jahre alt) wird zum Kommandeur des Heeres ernannt und er beginnt sofort mit dessen Reorganisation. Kurz danch folgt auch seine Ernennung zum Statthalter, entgegen der früheren Entscheidung der Staaten von Holland. Unzuverlässige Kommandeure werden von jüngeren Vertrauten ersetzt.4 Nun gelingt es dem niederländischen Botschafter am Hofe von Brandenburg-Preussen, Herr Godert Adriaan van Rheede, nach komplizierten Verhandlungen zwei Verträge auszuhandeln: Preussen schlägt sich auf der Seite der Niederländer mit einem Heer von 20 000 Mann (von den Niederlanden zu bezahlen!)und auch Österreich sagt Unterstützung zu, um die drohende französische Vormachtstellung in Europa zu verhindern.

Die französiche Besatzungsmacht unter dem Kommando von General Luxembourg verübt extreme Greueltaten (später werden Historiker die Beschreibungen als nicht übertrieben anerkennen). Die Franzosen rauben die von Ihnen besetzten Gebieten (Utrecht, Gelre) aus, auch durch hohe Abgaben und Erpressungen. Münster raubt im Norden, dringt in Friesland ein, aber kommt wegen guter Verteidigung (Wasser) nicht sehr weit.

Ausschnitt aus einem Pamphlet zur Illustration der französichen Gewalttaten 1672 in Utrecht und Gelre (Romeyn de Hooge; Rijksmuseum)

Die Münsterschen und Cölnischen Heere beginnen eine Belagerung der Stadt Groningen, die aber nach 5 Wochen abgebrochen wird (wohl vor allem wegen der ausgebrochenen Seuchen). Dieser Abbruch bringt den Niederlanden einen Hoffnungsschimmer. Willem III versucht, die verloren gegangene Festung Naarden am Zuiderzee zurückzuerobern, aber dies gelingt nicht. Gleichzeitig arbeitet er mit voller Kraft weiter am Ausbau der Heere.

Im Winter 1672-73 bricht das Preussische Heer, zusammen mit habsburgischen Truppen unter General Montecuccoli Richtung Westen auf. Frankreich sieht sich jetzt bedroht und schickt General Turrenne mit einer Kriegsmacht. Beide Parteien bewegen sich in Schnee und Eis durch Westfalen, man begegnet sich bei Soest, aber es kommt zu keiner Schlacht. Der niederländische Botschafter van Rheede zieht mit dem Preussischen Heer mit, wundert sich uber die wechselnde Marschrichtungen und das Ausbleiben einer Schlacht, bis er später von den geheimen Nicht-angriffsverträgen mit Frankreich erfährt.5

Auf der Karte (mit Nordrichtung nach rechts-oben) ist das Territorium der Niederlande schematisch blau markiert, die vom Feind eroberten Gebiete im rot. Die Buchstaben deuten auf die Städte P=Paris, K=Cöln und M=Münster. Die violet gestrichelte Linie umkreist das von den Franzosen sehr gewalttätig leergeraubte Gebiet. Annotierte Karte aus "Theatrum Europaeum" (Besitz Autor)

Gegenangriffe 1673

Die niederländische Flotte setzt auf eine Seeschlacht gegen England und Frankreich. Unter Leitung von Admiral de Ruyter werden drei Schlachten gewonnen. Damit sind England und Frankreich maritim ausgeschaltet, den niederländischen Handelsschiffen stehen die Meere wieder offen.

Auf dem Land ändert sich die Lage nun ziemlich schnell.
Juni: unter Leitung von Schweden (zur Zeit Großmacht) beginnen in Cöln Friedensverhandlungen.
Juli: Louis XIV belagert selber Maastricht und nimmt die Stadt ein.
August: Spanien schlägt sich auf die Seite der Niederländer.
August: Frankreich fällt in Lotringen, dem Elsass und Burgund ein. Danach wird das Bistum Trier besetzt, die Stadt belagert und erobert. Frankreich kontroliert jetzt den ganzen Rhein zwischen Basel und den Niederlanden. Turenne stößt mit seinem Heer durch Hessen bis Unterfranken vor.
August: Kaiser Leopold I entschliesst sich für den Krieg gegen Frankreich und vereinbart ein Bündnis mit Preussen und den Niederlanden.
September: Willem van Oranje gewinnt Naarden zurück. Danach zieht er seine Heere im nordwestlichen Brabant zusammen.

Der Herbst naht und die Kriegssaison neigt sich dem Ende zu. Was treibt Willem van Oranje im niederländischen Brabant? Wohin will er? Richtung Süden nach Charleroi, um danach Frankreich anzugreifen? Oder was sonst?

September: Am letzten Septembertag 1673 nimmt Willem van Oranje Quartier in der Garnison von Roosendaal.
Oktober: Am 6. Oktober fährt er in der Kutsche mit Gefolgsleuten und seiner berittenen "blauen Garde" von Roosendaal nach Antwerpen, wo der spanische Gouverneur Graf Monterey ihn begrüsst und der Magistrat der Stadt "ihm den Wein schenkt".6 Die Tage danach sind angefüllt mit Besprechungen.
Am 13. Oktober zieht Willem van Oranje mit seinem Heer gegen Südosten nach Herenthals im spanischen Brabant, wo ein spanisches Kontingent unter Marquis d'Assentaire sich anschliesst. Am 16. Oktober erklärt Spanien Frankreich den Krieg.7 Danach setzt sich das kombinierte niederländisch-spanische Heer mit insgesamt etwa 20 000 Soldaten in Richtung Venlo in Bewegung.

Von Venlo in Richtung......

Der Marsch von Willem van Oranjes Heer verläuft so ziemlich problemlos. Die Maas wird nach Bau einer Brücke am 22. Oktober überquert und man erreicht am 23. Oktober Dalen. Ohne daß Willem dies weiss: ebenfalls am 22.10. überquert ein Teil des kaiserlichen Heeres mit General Montecuccoli den Rhein bei Mainz.

Das Ziel des Feldzugs ist, möglichst bald auf das kaiserliche Heer zu treffen um dann gemeinsam Chur-Cöln anzugreifen. Wie genau, soll noch geklärt werden, womöglich in einer Vorbesprechung in Coblentz oder auf der Festung Hammerstein8 (seit Mai 1673 haben Stadt und Festung auf Bitten des Bischofs von Trier eine kaiserliche Garnison).

Am 26. Okt. nächtigt Willem van Oranje in Schloss Bedburg. Die Wege sind voller Flüchtlinge; Bauern mit Vieh und Gut versuchen sich nach Cöln zu retten. Ein Kontingent des Heeres gelangt bis vor die Cölner Pforten, greift aber nicht an. Für uns erstaunlich: Willems Heeresführer und Soldaten kaufen frei in Cöln ein. Am 30.10. nächtigt Prinz Willem im Schloss zu Brühl, auch "um zu sehen, an welchem Ort 1671 die Bisschöfe von Straßburg, Cöln und Münster mit dem französischen Minister Verjuys die Angriffe geplant haben". Der Magistrat von Cöln "schenkt ihm in Brühl den Wein" ! 9

Eroberung von Rheinbach und Bonn

Am 1.11. bricht Willem van Oranje wieder auf, zieht an Metternich vorbei und gelangt am Nachmittag vor Rheinbach. Die Aufforderung, die Tore zu öffnen, wird von den Rheinbachern abgelehnt. Als dies nach der zweiten Aufforderung erneut verweigert wird, gibt Willem das Kommando zur Erstürmung durch die Garde und die Dragoner von Kurland. Wie danach Rheinbach verwüstet wurde, kann dem 1680 auf französisch veröffentlichten Bericht von Constantijn Huygens, Willems Sekretär, entnommen werden.10 Joris de Hertoghe, Herr van Valkenburg, wurde zum Gouverneur von Rheinbach ernannt mit dem Auftrag, die Stadt sofort wieder in verteidigungsfähigen Zustand zu versetzen.11
Willem selber findet Quartier in Flerzheim.

Das Heer unter Leitung von Willem III van Oranje zieht von der Maas in südöstliche Richtung ("etwa entlang der A61") um zusammen mit dem kaiserlichen Heer den chur-cölnischen Regierungssitz Bonn zu erobern. Auf dem Weg dorthin setzt sich die Stadt Rheinbach zu Wehr....
(Karte: Herzogtümer Jülich und Berg, von Bleau, ~1645; Nord ist oben.)

Dann geht es weiter in Richtung Ahrtal. Bei Ahrweiler erreicht ihn die Mitteilung von General Montecuccoli, die kaiserlichen Heere seien schon bei Bonn, vornehmlich auf der rechten Rheinseite, und Willem möge doch nach Godesberg kommen.12 Weitere kaiserliche Truppen befänden bereits vor Deutz, gegenüber Cöln.13 Willem eilt dann zum Generalstreffen nach Godesberg. Er besichtigt mit General Montecuccoli die Festung Bonn, und die Belagerung der Stadt wird beschlossen.

Willem hat vermutlich einen Großteil seines Heeres im Swisttal zurückgelassen und jetzt kommt das Heer herüber in das Rheintal. Willem wählt Poppelsdorf (das Schloss?) zum Hauptquartier.

Die Bisschöfe von Cöln und Straßburg sind schon nach Cöln geflüchtet und haben sich im Karmeliterkloster versteckt. Der Bisschof von Straßburg flüchtet bald (weiter) nach Düsseldorf.

Willem III van Oranje erobert den Halbmond vor Bonns Cölner Tor. Bonn gibt dann den Widerstand bald auf (Detail der Grafik von Romeyn de Hooge; Rijksmuseum).

Am 10.11. greift General Montecucculi Bonn von Süden an, Willem van Oranje von Norden. Die Stadt hat inzwischen moderne (französische) Verteidigungswerke und eine Besatzung von 5000 Franzosen, sowie große Vorräte. Es gelingt den Truppen von Willem van Oranje, den Halbmond vor dem Cölner Tor zu vernichten (Willem ist selber dabei; er ist gerne bei seinen Soldaten) und am 13.11. gibt die Stadt auf.14 Der Abzug der in der Stadt gelagerten Truppen ist ehrlos: mit stiller Trommel, ohne Gewehre, ohne Kanonen, die Cavalerie zu Fuß und ohne Pferde. Alle Vorräte fallen den Siegern in die Hände: Winterbekleidung für 60 000 Menschen, Unmengen an Lebensmitteln und fast 70 Kanonen. Der Sieg ist komplett.

Die kaiserlichen und niederländischen Truppen erobern und besetzen dann weitere Städte nördlich von Köln (Deutz, Neus, Düsseldorf, Zons). Die Franzosen in den nördlicheren Regionen ziehen sich fluchtartig in Richtung Frankreich zurück. Durch diesen Sieg sind die französichen Allierten zu schnellen Friedensverträgen gezwungen.

Die Sieger gratulieren sich nach iher Eroberung von Bonn 1673. Die Namen einiger Kommandeure sind (mit Alter) angegeben. Diese bildliche Erzählung zeigt in Bildmitte auch die Eroberung Rheinbachs (Grafik von Romeyn de Hooge; Rijksmuseum).

Weshalb Rheinbach 1673?

Die am Anfang gestellten Fragen können nun, in Abfolge vom Detail zum Allgemeinen, beantwortet werden.- Die Stadt Rheinbach wurde geplündert, da sie sich "zu lange" zu Wehr gesetzt hatte.
- Es war das niederländische Heer, da auf dessen Heerweg zufällig Rheinbach lag.
- Die Führung hatte Willem van Oranje, da er ihr Heereskommandant (und die Leitfigur in den von den Franzosen schwer angegriffenen Niederlanden) war.
- Rheinbach lag auf dem Weg zum ursprünglich in Coblentz geplanten Generalstreffen von Willem van Oranje mit General Montecuccoli, dem Kommandeur des kaiserlichen Heeres.
- Der Angriff auf Chur-Cöln fand statt, weil sich der Churfürst mit dem Feind des Deutschen Reiches verbunden hatte.
- Die Feinde (Frankreich mit Verbündeten) waren für das Reich und die Niederlande bedrohlich geworden, da sie mit den Angriffen von 1672 und 1673 fast den ganzen Rhein kontrollierten.

Ansonsten war Rheinbach in diesem Krieg bedeutungslos, es war aber die Stadt, in der sich die niederländische Truppen besonders unschön benommen haben.

Wie es weiter ging

Die Niederlande sind seit 1674 wieder frei von französischer Besatzung. Ganz langsam macht man sich an den Wiederaufbau, das niederländische Heer bleibt vorerst verteidigungsbereit. Im gleichen Jahr wird eine neue Allianz gebildet (Niederlande, Spanien, Österreich, Lothringen) unter der Führung von Willem van Oranje. Die Friedensverträge der Niederlande mit England und Münster kommen bald zustande, der Vertrag mit Frankreich erst 1679.

Aber Frankreich intrigiert weiter. 1689 sind wieder französische Truppen in Bonn (um die Nachfolge in Chur-Cöln zu beeinflussen) und wieder stehen niederländische Truppen vor Bonn. Die Stadt wird erobert und vernichtet. Inzwischen ist 1688 Willem III van Oranje-Nassau auch König von England geworden. Die politische Lage in Europa hat sich grundlegend geändert. Louis XIV führt dennoch weitere Kriege, die Teile des Deutschen Reiches verwüsten.

Und Rheinbach selbst?

Die Stadt leidet unter den immer wieder aufziehenden Heeren verschiedener Herkunft. Zum Teil werden nur Truppen gelagert (Proviantierung!), aber sie bringen auch gravierenden Schäden:15
1679: Alliierte Truppen bleiben im Bonner Raum 1673-1679.
1687: Die Stadt brennt zu 70% nieder (dabei geht das Stadtarchiv verloren).
1689: Französiche Truppen in Bonn, Niederländer (und kaiserliche) vor Bonn.
1690: Brandenburgische und kaiserliche Kavallerie in Rheinbach und Flerzheim.
1703: Niederländische Truppen lagern in Rheinbach.
1734-1744: Viele Heeresbewegungen im oberen Swisttal.




Fußnoten
1 Für diesen Text wurden mehrere Wikipedia-Internetseiten zur Geschichte herangezogen. Für Niederländische Geschichte siehe insbesondere: J.I. Israel (1998), "The Rise, Greatness, and Fall of the Dutch Republic - 1477 to 1806"; Oxford UP.
2 In diesem Text werden, ab dieser Stelle, die Namen von Personen (und Ortschaften) auf regionsübliche Art geschrieben.
3 L. Panhuysen (2009), "Rampjaar 1672"; Atlas Contact; S.59.
4 L. Panhuysen, Op. cit., S.287ff.
5 L. Panhuysen, Op. cit., S.307ff.
6 J. Konynenberg (1674), "Vervolg der Franse, Engelse, Keulse, Munsterse, en Nederlandse Oorloge" (hiernach "Oorloge"), Amsterdam; S.90. Der Ausdruck "Schenkt ihm den Wein" steht für die Ehrenhandlung, womit einem hohen Gast der Wein gereicht wird; siehe z.B. "Das Buch Weinsberg" (J.J. Häßlin, 1997).
7 "Oorloge", Op. cit., S.91-92.
8 Später heist die Festung "Ehrenbreitstein".
9 "Oorloge", Op. cit., S.103.
10 R. Thomas (1987), "Der Ort Flerzheim an der Swist"; in "Beiträge zur Geschichte der Stadt Rheinbach, Band 4" S.77-79. Hier ist eine Übersetzung des Augenzeugenberichts zu finden.
11 "Oorloge", Op. cit., S.105.
12 N. Japikse (1930), "Prins Willem III - De Stadhouder-Koning"; J.Meulenhoff, Amsterdam; S.330.
13 "Oorloge", Op. cit., S.105.
14 "Oorloge", Op. cit., S.156-159.
15 R. Thomas, Op. cit., S.85ff.


Vor dem Dreeser Tor>

Heute macht die Hauptverkehrsader der Region, die Autobahn 61, einen Bogen um Rheinbach – im Mittelalter führte die damalige Hauptverkehrs-Trasse, die Aachen-Frankfurter Heerstraße die Reisenden mitten durch die Stadt. Zwei befestigte Tore sicherten den Zugang durch die Stadtmauer; im Osten das Voigtstor, im Westen das Dreeser Tor (man kann sich die Toranlagen ähnlich wie das – nachgebaute – Neutor am Wasemer Turm vorstellen).

Das führte dazu, dass dort, wo wir heute die Straße „Vor dem Dreeser Tor“ finden, schon früh reger Verkehr herrschte – zumindest für die damaligen Verhältnisse. Die Straße begleitete ja nicht nur die in Frankfurt frisch gewählten Könige auf ihrem Weg zur Krönung nach Aachen, sie war Pilgerweg für die Gläubigen, die den im 13. Jahrhundert heiligen gesprochenen Karl des Großen, dessen Gebeine und zahlreiche weitere Reliquien in der Aachener Pfalzkapelle verehrten. Vor allem aber war sie eine wichtige Handelsverbindung, deren Endpunkte weit über die Orte hinaus führte, die ihr den Namen gaben. Das Rheinbacher „Hotel“-Gewerbe profitierte davon ganz erheblich.

Im Nahbereich verlief die Trasse von Sinzig am Rhein über Bad Bodendorf, Fritzdorf und Klein-Altendorf nach Rheinbach und weiter über Oberdrees, Essig, Wichterich (bei Euskirchen) nach Düren.

Als im Herbst 1673 das holländische Heer des Wilhelm von Oranien auf seinem Wege nach Bonn von Brühl aus nach Rheinbach kam, nutzte es einen kurzen Abschnitt dieser Heerstraße. Auch wenn dieser damals ganz anders aussah als auf unserem Umschlagbild: der Ort stimmt; die Holländer kamen auf der Straße „Vor dem Dreeser Tor“ (die damals freilich noch nicht so hieß) in die Stadt.

Dieter Deindörfer

Vor dem Dreeser Tor
Vor dem Dreeser Tor