Vor dem Dreeser Tor>

Heute macht die Hauptverkehrsader der Region, die Autobahn 61, einen Bogen um Rheinbach – im Mittelalter führte die damalige Hauptverkehrs-Trasse, die Aachen-Frankfurter Heerstraße die Reisenden mitten durch die Stadt. Zwei befestigte Tore sicherten den Zugang durch die Stadtmauer; im Osten das Voigtstor, im Westen das Dreeser Tor (man kann sich die Toranlagen ähnlich wie das – nachgebaute – Neutor am Wasemer Turm vorstellen).

Das führte dazu, dass dort, wo wir heute die Straße „Vor dem Dreeser Tor“ finden, schon früh reger Verkehr herrschte – zumindest für die damaligen Verhältnisse. Die Straße begleitete ja nicht nur die in Frankfurt frisch gewählten Könige auf ihrem Weg zur Krönung nach Aachen, sie war Pilgerweg für die Gläubigen, die den im 13. Jahrhundert heiligen gesprochenen Karl des Großen, dessen Gebeine und zahlreiche weitere Reliquien in der Aachener Pfalzkapelle verehrten. Vor allem aber war sie eine wichtige Handelsverbindung, deren Endpunkte weit über die Orte hinaus führte, die ihr den Namen gaben. Das Rheinbacher „Hotel“-Gewerbe profitierte davon ganz erheblich.

Im Nahbereich verlief die Trasse von Sinzig am Rhein über Bad Bodendorf, Fritzdorf und Klein-Altendorf nach Rheinbach und weiter über Oberdrees, Essig, Wichterich (bei Euskirchen) nach Düren.

Als im Herbst 1673 das holländische Heer des Wilhelm von Oranien auf seinem Wege nach Bonn von Brühl aus nach Rheinbach kam, nutzte es einen kurzen Abschnitt dieser Heerstraße. Auch wenn dieser damals ganz anders aussah als auf unserem Umschlagbild: der Ort stimmt; die Holländer kamen auf der Straße „Vor dem Dreeser Tor“ (die damals freilich noch nicht so hieß) in die Stadt.

Dieter Deindörfer

Vor dem Dreeser Tor
Vor dem Dreeser Tor