Dieter Körschner (Bearb.): Medizinaltopographie des Kreises Rheinbach – Eine Beschreibung von Land und Leuten um 1825 von Dr. Johann Andreas Reichmann

CMC-Verlag Rheinbach 2010, 18 €

Im Sommer 2010 konnten die Freunde des Archivs den vierten Band der Schriftenreihe „Geschichte in Rheinbach“ vorlegen. Auf rund 262 Seiten mit 30 Abbildungen werden hier neben den medizinisch interessanten Gegebenheiten vor allem auch die alltägliche Leben der einfachen Bevölkerung ausführlich beschrieben. Erstellt hatte diesen Bericht, der sich ausführlich mit den Bürgermeistereien Adendorf, Kuchenheim, Rheinbach, Ollheim und Münstereifel befasst, der damalige Kreisphysikus Dr. Andreas Reichmann. Dank der sorgfältigen Edition durch den Bonner Archivar i. R. Dieter Körschner konnte unser Verein diesen unschätzbaren Quellentext der lokalen und rheinischen Geschichtsforschung zugänglich machen.

Wenn es auch der Titel vielleicht nicht vermuten lässt, findet man in Reichmanns Text viel Amüsantes. Als Beispiel ein kleiner Auszug:

Über die Bauart der Häuser im hiesigen Kreise läßt sich im allgemeinen in Beziehung auf das allgemeine Gesundheitswohl leider nicht viel Erfreuliches sagen. Sie sind nach allen Weltgegenden hin erbaut, ruhen auf niedrigen steinernen Fundamenten, sind größtenteils von Holz und mit Stroh vermischtem Lehm aufgerichtet, im allgemeinen nur einstöckig, die Dächer größtenteils mit Dachziegel belegt und Zimmer sowohl in den Städten als Dörfern meistens niedrig, Wände und Decken mit Kalk bestrichen, in den Dörfern Fensteröffnungen kaum so groß, daß ein Mann seinen Kopf durchbringen, Türöffnungen so klein, das ein solcher, ohne sich stark zu bücken, nicht wohl eintreten kann. Die gedielten Fußböden der untern Stuben laufen entweder mit der Erde zugleich, oder aber – und was meistenteils der Fall ist – unter denselben sind kleine, meistens feuchte und dunkle Keller angelegt, die eher einem dumpfen Grabe gleichen, und endlich die im engen Hofraume befindliche Miststätte dient – wie schon oben erwähnt – zum offenen und freien Abtritt, von welchem letztern, selbst in den Städten, nur wenige anzutreffen sind.