Mies, Horst: Sie waren Nachbarn – Zur Geschichte der Juden in Rheinbach im Dritten Reich mit einem Anhang von Peter Mohr

CMZ-Verlag Rheinbach 2. Aufl. 2008, 110 Seiten, ISBN 3-87062-051-X, 10,00 €

In diesem Buch greift der Autor Dr. Horst Mies ein in der jüngeren Vergangenheit häufig diskutiertes Thema auf und zeichnet durch die vorgestellten Ergebnisse seiner Nachforschungen ein eindrucksvolles Bild.

Vielen alteingesessenen Mitbürgern jedoch werden die Namen der hierin genannten Familien noch geläufig sein, aber vielleicht ist nicht allen der Ablauf des Verschwindens dieser Namen und Personen bekannt.

Eine kleine Leseprobe möge das Bild der damaligen Zeit beleuchten. Der Familie von Hermann Geisel gelang ebenfalls die Ausreise nach Holland und von dort aus wenige Tage vor Ausbruch des 2. Weltkrieges die Flucht nach England. Allerdings wird bei dieser Familie deutlich, mit welchen Schikanen die Ausreisegenehmigung aus Deutschland behaftet war:

Eines Tages verlud der alte Hermann Geisel in geradezu panischer Hektik Möbelstücke auf einen LKW, bei den Nachbarn erschien in der Dunkelheit die alte Frau Geisel und bat darum, ihre Familie doch mit dem PKW nach Bonn zur Bahn zu fahren, da dies die einzige Möglichkeit sei, der unvermutet bewilligten Ausreisegenehmigung noch nachkommen zu können. Die Nachbarn trafen die Geisels dann hinter dem Bahndamm am Gräbbach, wo diese blitzschnell ins Auto sprangen.
Dieses heimliche Einsteigen wurde jedoch beobachtet und (Bürgermeister) Wiertz gemeldet, der dafür am kommenden Tag den Autobesitzer auf das Bürgermeisteramt zitierte und wegen der verbotenen Kontakte zu Juden zur Rede stellte. Diesem Nachbarn, dem alten Herrn Mombeck, wurde bei Kriegsausbruch als erstem in Rheinbach sein Privatauto aus "kriegsnotwendigen Gründen" entzogen ...

Im Anhang liefert Peter Mohr unter dem Titel "Weggekommen! - aber: wer? wohin? Welches Schicksal?" eine mit Akribie erstellte Auflistung  jüdischer Rheinbacher ab 1848.